Stellplatz vermieten als Landwirt: Komplettanleitung 2026
Rechtliches, Preisfindung und Buchungssystem für Landwirte die ihren Hof als Stellplatz öffnen wollen – alles in einer Anleitung.
Wohnmobilreisende suchen heute immer seltener den klassischen Campingplatz mit Schwimmbad und Animationsprogramm. Sie wollen Ruhe, Natur, Authentizität – und gerne den direkten Kontakt zu einem echten Betrieb. Ein Bauernhof ist dafür ideal.
Der Trend zum "Wildes Campen" auf Privatgelände und zu Bauernhof-Stellplätzen wächst kontinuierlich. Plattformen wie park4night, AlpacaCamping und Heuhotel.de verzeichnen wachsende Nutzerzahlen. Gleichzeitig ist die Hürde für Landwirte, einen Stellplatz anzubieten, niedriger als oft gedacht.
Dieser Leitfaden erklärt alles, was du wissen musst – von den rechtlichen Grundlagen über die Preisfindung bis zum ersten Buchungssystem. Hinweis vorab: Bei rechtlichen Fragen geben wir immer die Empfehlung, beim zuständigen Amt oder einem Rechtsanwalt nachzufragen. Die hier gemachten Angaben sind allgemeine Orientierungswerte, keine Rechtsberatung.
Stellplatz auf dem Bauernhof: Chance oder Risiko?
Zuerst eine ehrliche Einschätzung, bevor wir in die Details gehen.
Was spricht dafür: Ein Stellplatz auf dem Bauernhof ist ein Nebeneinkommen, das vergleichsweise wenig Aufwand erfordert. Du brauchst keine Gastronomiekonzession, keine aufwendige Zertifizierung, keinen Vollzeitbetrieb. Drei Stellplätze à 22 €/Nacht, 100 Nächte pro Jahr – das sind 6.600 € zusätzliche Einnahmen. Für einen Betrieb der jeden Euro umdrehen muss, ist das kein unerheblicher Beitrag.
Hinzu kommt ein weicherer Faktor: Gäste auf dem Bauernhof sind ein Marketing-Instrument. Wer bei dir übernachtet, kauft vielleicht auch Eier, Honig oder Gemüse aus dem Hofladen. Stammgäste werden zu Markenbotschaftern. Viele Betreiber berichten von Gästen, die Jahr für Jahr wiederkommen und inzwischen mehr wie Freunde sind als Kunden.
Was dagegen spricht: Du teilst deinen Hof mit Fremden. Das erfordert eine gewisse Offenheit und Akzeptanz dafür, dass Gäste auch mal in der Einfahrt parken oder sich verlaufen. Wenn du ein strikter Privatmensch bist, ist ein Stellplatz auf dem Hof möglicherweise nicht das Richtige.
Außerdem gibt es Saisonalität: In Deutschland läuft die Stellplatzsaison grob von April bis Oktober. Die Einnahmen verteilen sich ungleich über das Jahr.
Rechtliche Grundlagen
Das ist der Abschnitt, bei dem viele Landwirte unsicher sind. Zu Recht – das Thema ist komplex und unterscheidet sich je nach Bundesland und Gemeinde. Hier geben wir einen Überblick, aber die verbindliche Antwort bekommst du nur von deiner Gemeinde, dem Baurechtsamt oder einem Rechtsanwalt.
Genehmigungen (Baurecht)
Grundregel: Je weniger Stellplätze, desto wahrscheinlicher ist Genehmigungsfreiheit. Aber "wahrscheinlich" ist hier das entscheidende Wort.
In vielen Bundesländern gilt eine Grenze von 2–3 Stellplätzen für kurzfristige, gelegentliche Nutzung als genehmigungsfrei. Darüber hinaus – insbesondere ab 3+ Stellplätzen oder bei Dauerstellplätzen – kann eine Baugenehmigung oder eine Nutzungsänderung des Grundstücks erforderlich sein.
Relevante Faktoren:
- Liegt das Grundstück im Außenbereich, in einem Dorfgebiet oder in einem Mischgebiet? Die baurechtliche Einordnung bestimmt wesentlich, was erlaubt ist.
- Sind die Stellplätze befestigt (Schotter, Beton) oder auf Rasenfläche? Befestigungen können eine eigene Genehmigungspflicht auslösen.
- Ist ein Sanitärgebäude geplant? Das ist in der Regel baugenehmigungspflichtig.
- Gibt es einen Zusammenhang mit dem landwirtschaftlichen Betrieb? Manche Bundesländer erleichtern Genehmigungen, wenn der Stellplatz zum Hofbetrieb gehört (z.B. Direktvermarktung).
Empfehlung: Ruf bei deiner Gemeindeverwaltung oder dem Baurechtsamt an, bevor du anfängst. Schildere dein Vorhaben konkret (Anzahl Stellplätze, Art der Nutzung, geplante Infrastruktur). Die meisten Ämter geben eine informelle Ersteinschätzung ohne aufwendiges Genehmigungsverfahren. Besser jetzt fragen als später Probleme bekommen.
Steuer
Einnahmen aus der Stellplatzvermietung sind steuerpflichtig. Das gilt auch für Landwirte, die ansonsten Einnahmen aus landwirtschaftlichem Betrieb versteuern – die Stellplatzeinnahmen werden getrennt behandelt.
Relevante Punkte:
Einkommensteuer: Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung werden in der Einkommensteuererklärung angegeben. Betriebsausgaben (Instandhaltung, Strom für Gäste, anteilige Grundstückskosten etc.) können gegengerechnet werden.
Umsatzsteuer: Für Übernachtungsleistungen gilt in Deutschland der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7%. Wenn du unter der Kleinunternehmergrenze (derzeit 25.000 € Jahresumsatz aus unternehmerischen Tätigkeiten gesamt) liegst, kannst du die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG in Anspruch nehmen und keine Umsatzsteuer ausweisen. Bei darüber liegenden Umsätzen musst du 7% USt. ausweisen und abführen.
Kurtaxe / Tourismusabgabe: In manchen Regionen erheben Gemeinden eine Kurtaxe oder Tourismusabgabe auf Übernachtungen. Prüfe, ob das in deiner Gemeinde gilt und wie die Abrechnung funktioniert.
Empfehlung: Sprich mit deinem Steuerberater, bevor du anfängst. Die Einbindung in die bestehende landwirtschaftliche Buchführung kann Besonderheiten haben, die nur jemand beurteilen kann, der deine Gesamtsituation kennt.
Versicherung
Wenn Gäste auf deinem Grundstück sind, bist du als Grundstückseigentümer für Schäden verantwortlich, die durch Mängel deines Grundstücks entstehen. Das nennt sich Verkehrssicherungspflicht.
Prüfe, ob deine bestehende Betriebshaftpflichtversicherung die Nutzung durch Gäste abdeckt. Viele landwirtschaftliche Betriebshaftpflichten schließen gewerbliche Nebentätigkeiten aus oder decken sie nur eingeschränkt ab. Eine Erweiterung des Versicherungsschutzes ist oft mit geringen Mehrkosten möglich.
Empfehlung: Kontaktiere deinen Versicherungsberater und schildere das Vorhaben konkret. Frag explizit nach der Haftung bei Unfällen von Gästen auf dem Gelände.
Preisfindung
Wie viel kannst du für einen Stellplatz verlangen? Die ehrliche Antwort: Es kommt auf Lage, Ausstattung und Region an. Hier sind realistische Orientierungswerte für Deutschland.
Vergleichspreise nach Region (2026):
- Norddeutsche Tiefebene, ländlich: 12–18 €/Nacht
- Mittelgebirge (Eifel, Schwarzwald, Bayerischer Wald): 15–22 €/Nacht
- Alpenregion, Bodensee, Ostseeküste: 20–35 €/Nacht
- Weinregionen (Mosel, Rheingau, Pfalz): 18–28 €/Nacht
Diese Werte gelten für einfache bis mittlere Ausstattung. Stellplätze mit Vollausstattung (Strom, Wasser, Entsorgung, sanitäre Anlagen, WLAN) können am oberen Rand oder darüber liegen.
Faktoren die den Preis erhöhen:
- Stromanschluss (16A CEE): +2–4 € oder pauschal inklusive
- WLAN: +1–2 € oder als attraktives Inklusiv-Argument
- Dusche/WC auf dem Hof: +3–5 € oder im Grundpreis
- Besondere Lage (Panoramablick, direkter Seezugang): +20–40%
- Tiere auf dem Hof (Kinder lieben das): psychologischer Mehrwert, nicht unbedingt monetär
Praktische Empfehlung: Schau dir 5–10 vergleichbare Stellplätze in deiner Region auf AlpacaCamping oder park4night an. Schau auf Preise und Bewertungen. Dann positioniere dich leicht unter dem regionalen Durchschnitt für den Einstieg – und pass den Preis nach der ersten Saison an, wenn du weißt wie die Auslastung läuft.
Einstiegsorientierung für einen Bauernhof-Stellplatz mit Basis-Infrastruktur: 18–22 €/Nacht. Mit Strom und sanitären Anlagen: 22–28 €/Nacht.
Ausstattung – was Wohnmobilfahrer wirklich brauchen
Nicht jede Investition lohnt sich gleich. Hier eine Priorisierung nach praktischer Bedeutung für Gäste:
Rang 1: Sanitäre Anlagen (WC + Dusche)
Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einem "echten" Stellplatz und einem Feldweg-Wildcampen. Wohnmobilfahrer haben zwar oft eigene Sanitäranlagen im Fahrzeug, aber dauerhafter Eigenverbrauch ohne Entleerungsmöglichkeit ist unpraktisch. Eine einfache Dusche und ein sauberes WC – auch wenn es nur das Gäste-WC auf dem Hof ist – macht deinen Stellplatz deutlich attraktiver.
Rang 2: Stromanschluss (16A CEE)
Moderne Wohnmobile brauchen Strom – zum Laden, für Klimaanlage, Heizung, Kühlschrank. Ein 16A CEE-Anschluss (der "blaue Campingstecker") kostet in der Anschaffung überschaubar. Wenn du die Möglichkeit hast, Strom bis zum Stellplatz zu legen, tue es. Es verdoppelt fast deine potenzielle Gästezielgruppe.
Rang 3: Frischwasser auffüllen + Grauwasser entsorgen
Eine Zapfstelle mit Trinkwasser und eine geeignete Entsorgungsmöglichkeit für Grauwasser (Sanitärflüssigkeiten) ist für viele Gäste wichtig. Die Grauwasserentsorgung über einen Kanalanschluss oder einen abflussfreien Behälter (der dann entleert wird) reicht für den Anfang.
Rang 4: WLAN
"Nice to have" – wer es hat, kann es als Vorteil kommunizieren. Wer es nicht hat, verliert dadurch keine Buchungen, solange der Mobilfunkempfang gut ist. Ein ehrlicher Hinweis im Eintrag ("kein WLAN, aber guter LTE-Empfang") ist besser als gar keine Angabe.
Was du nicht brauchst: Pool, Restaurant, Spielplatz, Rezeption. Das erwartet kein Gast von einem Bauernhof-Stellplatz. Was Gäste erwarten: Sauberkeit, Verlässlichkeit und einen freundlichen Kontakt.
Das Buchungssystem einrichten
Du könntest Buchungen per Telefon oder WhatsApp abwickeln. Das funktioniert für den Anfang, wird aber schnell unübersichtlich: Kein Überblick über Belegung, keine automatischen Bestätigungen, keine Zahlungsabwicklung, keine Möglichkeit für Gäste außerhalb der Geschäftszeiten zu buchen.
Ein einfaches Online-Buchungssystem löst alle diese Probleme. Und es muss nicht teuer sein.
So richtest du StellplatzManager in fünf Schritten ein:
- Kostenlos registrieren. Geh auf stellplatz-manager.de/registrieren und erstelle ein Konto. Keine Kreditkarte, keine Vertragslaufzeit. Der Free-Plan reicht für bis zu 2 Stellplätze dauerhaft kostenlos.
- Stellplätze mit Fotos und Ausstattung anlegen. Lege jeden Stellplatz einzeln an. Trage ein: Name, Beschreibung, Ausstattungsmerkmale (Strom, WLAN, Hunde erlaubt, etc.), maximale Fahrzeuglänge, Besonderheiten. Lade mindestens 3–5 Fotos hoch – Fotos sind der wichtigste Konversionsfaktor.
- Preise und Saisons einstellen. Definiere deinen Grundpreis und optional Saisonpreise. Beispiel: Hochsaison Juli/August 25 €, Vor- und Nachsaison 20 €. Optional: Mindestaufenthalt, Wochenendaufschlag, Gebühr für Hunde.
- Buchungswebsite mit eigenem Namen aktivieren. StellplatzManager erstellt dir eine eigene Buchungsseite unter einer Adresse wie "mein-hof.stellplatz-manager.de" oder verknüpfbar mit deiner eigenen Domain. Diese URL gibst du an Gäste weiter – sie können direkt buchen, ohne Provision an eine Plattform zu zahlen.
- iCal-Feed auf AlpacaCamping einbinden. Wenn du deinen Stellplatz zusätzlich auf AlpacaCamping oder park4night einträgst (empfehlenswert für die erste Sichtbarkeit), kopiere deinen iCal-Link aus StellplatzManager und trage ihn dort ein. So werden Buchungen aus beiden Quellen automatisch synchronisiert – keine Doppelbuchungen.
Gesamtaufwand: 1–2 Stunden für die vollständige Einrichtung inklusive Fotos. Danach läuft das System weitgehend automatisch.
Die ersten Buchungen bekommen
Eine schöne Buchungswebsite nützt nichts, wenn niemand sie findet. So bekommst du Sichtbarkeit ohne großes Marketingbudget:
Google Business Profile anlegen. Kostenlos, wichtig. Leg ein Profil für deinen Hof an und trag "Wohnmobil-Stellplatz" oder "Camping" als Kategorie ein. Füge deine Buchungs-URL hinzu. Google zeigt dich dann in der lokalen Suche und in Google Maps – genau dort wo viele Wohnmobilfahrer suchen, wenn sie unterwegs sind.
park4night Eintrag erstellen. park4night ist die meistgenutzte App unter Wohnmobilfahrern in Europa. Ein Eintrag ist kostenlos und bringt erhebliche Sichtbarkeit. Du kannst in der Beschreibung auf deine Buchungswebsite hinweisen.
AlpacaCamping für Anfangssichtbarkeit. Trotz der 10% Provision ist AlpacaCamping für den Start sinnvoll. Die Plattform hat eine aktive Community und gute Suchmaschinenplatzierungen. Mach dir keine Sorgen wegen der Provision für die ersten Buchungen – die zahlen sich durch den Markenaufbau aus. Langfristig lenkst du Stammgäste auf deine eigene Website um. Mehr dazu in unserem Artikel Raus aus der Provisionsfalle.
Caravaning-Foren und Facebook-Gruppen. Es gibt aktive deutsche Wohnmobil-Communities auf Facebook und in Foren wie wohnmobilforum.de. Stell deinen Stellplatz dort vor – kurz, mit Foto und Link. Viele Gruppen erlauben das ausdrücklich.
Mundpropaganda deiner ersten Gäste. Der unterschätzte Kanal. Bitte deine ersten Gäste um eine Bewertung auf Google oder AlpacaCamping. Fünf ehrliche Bewertungen machen mehr aus als jede bezahlte Werbung.
Häufige Fehler beim Einstieg
Damit du nicht die Fehler machst, die andere vor dir gemacht haben:
Zu wenig Informationen im Eintrag. Gäste die nicht herausfinden können, ob dein Platz zu ihnen passt, buchen woanders. Sei vollständig: Stellplatzgröße, Einfahrtshöhe, ob Hunde erlaubt sind, Ruhezeiten, Parkplatzsituation für Begleitfahrzeuge. Mehr ist mehr.
Schlechte Fotos. Das Foto ist das erste was ein potenzieller Gast sieht. Ein unscharfes Handyfoto auf Augenhöhe verkauft deinen Platz schlecht. Mach Fotos bei gutem Licht, zeige den Platz, die Umgebung und die Ausstattung (Stromanschluss, sanitäre Anlagen). Ein einziges gutes Foto ist besser als zehn schlechte.
Keine klare Preisstruktur. Wenn Gäste nachfragen müssen was die Übernachtung kostet, ist das eine Hürde. Klare Preise direkt im Eintrag erhöhen die Buchungsrate.
Zu späte Antworten auf Anfragen. Gerade am Anfang, wenn du noch wenige Bewertungen hast, ist schnelle Kommunikation besonders wichtig. Aktiviere Push-Benachrichtigungen für neue Buchungsanfragen auf dem Handy.
Keine Stornierungsregeln definiert. Was passiert wenn jemand kurzfristig absagt? Wenn du keine klare Regelung kommunizierst, gibt es Diskussionen. Empfehlung für den Einstieg: Kostenlose Stornierung bis 48 Stunden vor Anreise, danach 50% des Buchungsbetrags.
Fazit: Klein anfangen, groß denken
Einen Stellplatz auf dem Bauernhof anzubieten ist kein riesiges Projekt. Es fängt mit einer halben Stunde beim Baurechtsamt an, einem Gespräch mit dem Steuerberater und zwei Stunden für die Einrichtung des Buchungssystems. Danach hast du eine funktionierende, buchbare Infrastruktur.
Die größte Hürde ist oft die erste Buchung. Sobald die da ist und der erste Gast zufrieden abreist, läuft der Rest von selbst.
Wenn du verstehen willst wie Campingplatzsoftware im Vergleich ausschaut und welche Lösung für welche Betriebsgröße passt, lies unseren Campingplatz-Software-Vergleich 2026.
Mit dem Free-Plan kannst du bis zu 2 Stellplätze dauerhaft kostenlos verwalten. Keine Provision, keine Kreditkarte, kein Zeitlimit. Leg heute deinen ersten Stellplatz an.
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